Ein Tag mit Jürgen Kasek | Politiker & Aktivist aus Leipzig

Jürgen ist ein Mensch, den ich schon sehr lange verfolge. Ich glaube ich hab ihn das erste Mal über Twitter und bei einem damaligen Twittertreffen kennengelernt – das dürfte so 2009 gewesen sein. Man lebt dann so ein Onlineleben nebenher, bis an dem Tag, als wir No-Legida gegründet haben. Dadurch intensivierte sich natürlich unser Kontakt von einmal im Halbjahr zum täglichen Anschreiben, Pläne schmieden und deftigen Diskussionen. Jürgen fasziniert mich, er ist überall zur Stelle, wenn es in Sachsen mal wieder einen Übergriff gab, ein Flüchtlingsheim brennt oder ein Höcke seine Mahnmal-Rede hält.
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Demoanmeldungen im Jahr

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Telefonate pro Tag

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16

Stunden im Zug pro Woche

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nfang Januar kam bei mir die Idee auf, einen Tag lang Jürgen Kasek zu begleiten. Warum nun eigentlich genau er? Jürgen schafft es Dinge anzupacken und zu bewegen. Ob er nun eine Demo gegen Legida, die AfD oder andere menschenfeindliche Bündnisse anmeldet, sich als Landesvorsitzender der Grünen in Sachsen politisch einsetzt oder sich als Rechtsanwalt die Tage um die Ohren schlägt – ein Tag von Jürgen, ist ein voller Tag. Ich konnte ihn am 17.01.2017 nach Dresden begleiten. An diesem Tag fiel die Entscheidung, ob die NPD verboten wird oder nicht und an diesem Tag hielt Björn Höcke seine Mahnmal-Rede in Dresden. Wir waren davor. Jürgen hatte die Gegendemo zur Rede angemeldet.

Juergen_Kasek_17_01_2017-8388

8:30 Uhr

Abfahrt mit dem ICE von Leipzig nach Dresden, Jürgen trifft sich mit mir am Leipziger Hauptbahnhof. Standesgemäß fährt er bei jedem Wetter mit dem Fahrrad vom Leipziger Osten in die Innenstadt. Jürgen fährt zwei bis dreimal die Woche nach Dresden, um dort seine Tätigkeit als Landesvorsitzender der Grünen in Sachsen nachzugehen. Er fährt je nach Terminplan, jeden Abend wieder zurück nach Leipzig. Gleich hier fällt mir auf, der Mann ist nur unterwegs. Immer.

9:30 Uhr

Erster Tagespunkt: Ein kleiner Zwischenstopp im Büro, danach geht es sofort in den Landtag zur Fraktionssitzung der Grünen. Leider konnte ich nur von außen ein paar Bilder machen, da die Fotogenehmigung zu lange auf sich warten lies. Hier werden weitere Dinge besprochen, die in diversen Sitzungen anstehen. Dabei bin ich echt ein wenig erschrocken, wie alt und deplatziert das Gebäude in der doch so schönen Dresdner Altstadt wirkt.

12 Uhr

Jürgen kommt aus dem Landtag heraus. Das erste was er macht, ist den weiteren Demoablauf per Telefon für den Abend zu planen. Danach geht es erstmal in die Kantine der Sächsischen Zeitung, um eine kleines Mittagsessen zu sich zu nehmen. Während der Fraktionssitzung kam heraus, dass die NPD in Deutschland nicht verboten wird. Jürgen informiert sich kurz über die Urteilsbegründung und dann geht es gleich weiter zurück in das Büro der Grünen in Dresden.

13 - 16 Uhr

Dienstberatung im Büro. Hier werden die weiteren parteiinternen Abläufe koordiniert und festgelegt. Dabei werden viele Details geklärt und abgesprochen. Zwischendurch klingelt ständig Jürgens Handy. Er gibt ein Interview für Radio Dresden und bespricht den weiteren Tages bzw. Demoablauf. Nebenbei wird getwittert und Mails geschrieben. Der Kommunikationsaufwand bei Jürgen ist enorm.

16:30 Uhr

Wir machen uns langsam fertig für den Weg durch Dresden, um zur Anti-AfD-Höcke-Demo zu kommen. Jürgen meinte zu mir, immer wenn er mit der Straßenbahn in Dresden unterwegs ist, hat er enormen Respekt davor von diversen Leuten erkannt zu werden. Daher läuft er am liebsten oder fährt selbst mit dem Fahrrad, da kann er am besten reagieren. In einer Straßenbahn ist man an in einem geschlossenen Raum. Die Fahrt zur Demo war dann auch sehr durch unsere innere Anspannung gekennzeichnet.

17 Uhr

Wir steigen aus der Bahn aus und die Demo positioniert sich auf der gegenüberlegenden Straßenseite vor dem Ballhaus Watzke. Ich hatte zumindest die ersten Minuten ein gutes Gefühl, es waren relativ viele Menschen da. Die AfDler zogen langsam in das Ballhaus ein und wir machten mächtig Lärm. Mir viel ein Stein vom Herzen, dass Dresden es geschafft hat dieser Veranstaltung laut zu widersprechen. Jürgen als Versammlungsleiter bekam ein Megafon in die Hand gedrückt und konnte somit offiziell die Versammlung beginnen.  Es war schweinekalt. Ca. 250 Leute standen bei -7 Grad in der Kälte und machten Krach. Zum Glück gab es ein Lastenfahrrad, was warmen Tee verteilte, dadurch hielt man auch die Kälte irgendwie aus.

19 Uhr

Nach zwei Stunden entschieden wir uns die Demo zu verlassen. Jürgen gab die Demoleitung weiter und wir machten uns mit der Straßenbahn zum Bahnhof in die Dresdener Neustadt. Jürgen kaufte sich sein Abendbrot und ein „Feierabend-Bier“. Gegen 21 Uhr kamen wir wieder im Leipziger Hauptbahnhof an. Jürgen schwingt sich auf sein Fahrrad und verschwand in die Nacht. Er wusste noch nicht, ob er noch einen Termin wahrnimmt oder einfach nach Hause fährt. 13 Stunden, etliche Telefonate, mehreren Sitzungen, eine Demo und zwei Zugfahrten.

Fazit - Ein Tag mit Jürgen Kasek unterwegs...

Es ist wichtig, dass es Jürgen gibt. Es ist wichtig, dass es Menschen gibt, die fast bis zur kompletten Erschöpfung gegen Rechts kämpfen und sich dafür einsetzen, dass wir für Toleranz und Menschlichkeit einstehen. Ich konnte nur an der Oberfläche kratzen, aber dieser Tag war schon so dermaßen intensiv, dass ich mir es kaum vorstellen kann, dass Jürgen so etwas mindestens einmal die Woche erlebt. Ich ziehe meinen Hut. Jürgen, bleib so engagiert, wie du bist und pass auf dich auf!

Ihr habt auch einen spannenden Beruf? Oder etwas was im Hintergrund geschieht? Ihr habt Lust mal einen Tag von mir begleitet zu werden? Dann schreibt mir doch einfach eine E-Mail.

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