Perspektive entlang der roten Laufbahn in der Max-Metzger-Straße Leipzig — Tartan-Textur und Linienführung, Foto von Martin Neuhof

Fotospots Leipzig Part II – 3 weitere Orte, die kaum jemand kennt

Part I lief besser als ich gedacht hätte. Knapp 400 Mal gespeichert, über 100 Mal geteilt, und in den Kommentaren stand immer wieder dieselbe Frage: Gibt’s das auch nochmal? Also: ja.

Hier sind drei weitere Spots in Leipzig – wieder Orte, an die ich zufällig gestolpert bin oder die ich aus dem Augenwinkel kannte und irgendwann mit Kamera angefahren habe. Wieder mit Koordinaten, wieder mit ein paar Hinweisen aus der eigenen Erfahrung. Und wieder kein Geheimtipp im Sinne von „behalte das für dich“ – wenn ihr daraus was macht, freue ich mich über eine Nachricht.

Falls du Part I noch nicht kennst: hier ist der erste Teil.

1. Spiegelwand — Tunnel mit Blattmotiv in der Dresdner Straße

Adresse: Dresdner Straße, Leipzig
Koordinaten: 51.3389° N · 12.3899° E

Auf dem Weg zum Café drübergestolpert. Wirklich. Ich bin sonst nie in der Ecke, und dann steht da plötzlich dieser verspiegelte Durchgang, von Blättern durchzogen, mit Tageslicht am Ende. Ich hab erst zwei Tage später gemerkt, was sich daraus machen lässt.

Was du nutzt, ist der Tunnel-Effekt: hinten das helle Licht, vorne dein Model. Die Spiegelung an den Seiten gibt dir automatisch eine Symmetrie, an der du nichts tun musst. Mehr braucht’s nicht.

Verspiegelter Durchgang mit Blättern in der Dresdner Straße Leipzig — Tunnel-Effekt mit Tageslicht am Ende, Fotospot von Fotograf Martin Neuhof Leipzig
Detailaufnahme an der Spiegelwand Dresdner Straße Leipzig — Spiegelung mit Blattmotiv, Fotograf Martin Neuhof Leipzig

Verkehr: Ruhig. Ab und zu kommt jemand durch — aber ihr seid hier nicht im Weg. Licht: Ab ca. 10 Uhr im Mai reflektiert die Sonne auf die Wand und du bekommst zusätzlich seitliches Glanzlicht. Sonst funktioniert der Spot zu jeder Tageszeit. Pass auf: Deine eigene Spiegelung. Sonst stehst du mit im Bild.

Brennweite: 35 oder 50 mm funktioniert hier am besten. Du willst nah genug ran, dass die Spiegelung mit ins Bild kommt, aber nicht so weit, dass der Tunnel-Effekt auseinanderfällt. Mit Weitwinkel verlierst du die Tiefe, mit Tele wird’s eng.

2. Kaputte Plakatwand — Lost-Place-Charme in der Georg-Schumann-Straße

Adresse: Georg-Schumann-Straße, Leipzig
Koordinaten: 51.3617° N · 12.3693° E

An dieser Plakatwand bin ich hundertmal vorbeigefahren. Irgendwann hab ich sie als Location-Punkt in die Karte gesetzt und nicht mehr drüber nachgedacht. Erst beim ersten Shooting dort ist mir klar geworden, warum sie funktioniert.

Sie ist abgewetzt bis zur Unkenntlichkeit. Reste von Plakaten, ein paar Schichten Farbe, viel Verwitterung — und genau deshalb wird sie im Bild ruhig statt unruhig. Die Farben sind so verblasst, dass die Textur trägt, nicht die Motive. Ideal für Colorblocking, Street-Portraits, alles wo du eine grafische Fläche ohne klare Botschaft brauchst.

Portrait vor abgewetzter Plakatwand in der Georg-Schumann-Straße Leipzig — verblasste Farben und Textur als Hintergrund, Fotograf Martin Neuhof Leipzig
Street-Portrait an der kaputten Plakatwand Georg-Schumann-Straße Leipzig — grafische Fläche mit Verwitterung, Foto von Martin Neuhof

Verkehr: Direkt an der Hauptstraße. Hier ist immer was los, also pass auf deine Ausrüstung und auf vorbeifahrende Autos. Licht: Mittagssonne ist hart hier — die Wand wird flach und das Plakat verschluckt sich selbst. Geh früh morgens, solange die Sonne tief steht und schräg auftrifft.

Brennweite: Alles zwischen 35 und 85 mm funktioniert. Mit dem 85er kannst du den Hintergrund weichziehen und das Model davor freistellen — die Wand bleibt Stimmungsträger, aber nicht Hauptdarsteller. Mit dem 35er nimmst du mehr von der Wandstruktur mit ins Bild, und die Plakatreste werden Teil der Erzählung.

3. Rote Laufbahn — Tartan-Bahn in Gohlis

Adresse: Max-Metzger-Straße, Leipzig (Gohlis)
Koordinaten: 51.3659° N · 12.3682° E

Eine rote, durchlöcherte Laufbahn mitten in Gohlis. Tartanbahn, ein bisschen abgenutzt, die Farbe immer noch satt rot. Die Farbe macht hier die halbe Arbeit — der Rest ist Perspektive. Geh runter, schau hoch, schau die Bahn entlang. Drei Frames, drei komplett unterschiedliche Bildwirkungen.

Nebenan stehen ein paar Sportgeräte und eine kleine Sandgrube, falls du das Setting erweitern willst — Klimmzugstangen, Reckanlagen, das übliche. Manchmal ist eine zusätzliche Linie alles was du brauchst.

Portrait auf der roten Tartan-Laufbahn in Gohlis Leipzig — durchlöcherte Bahn mit kräftiger Farbe, Fotograf Martin Neuhof Leipzig
Perspektive entlang der roten Laufbahn in der Max-Metzger-Straße Leipzig — Tartan-Textur und Linienführung, Foto von Martin Neuhof

Verkehr: Werktags tagsüber ruhig — du bist da meistens allein. Abends und am Wochenende voller, weil tatsächlich jemand auf der Bahn trainiert. Licht: Es gibt etwas Schatten von den umstehenden Bäumen, deshalb ist die Tageszeit hier weniger kritisch als an den anderen beiden Spots. Wenn du wählen kannst: Golden Hour oder ein bewölkter Himmel — das Rot wird dann nicht überstrahlt.

Brennweite: Hängt von der Bildidee ab. Für die langen Linien der Bahn funktioniert ein Tele (85 oder 100 mm), weil es den Raum zusammenzieht und die Perforation in der Bahn zum Muster wird. Für Aufsichten mit Bahn-im-Bild reicht ein 35er. Eine Sache, die ich an dem Spot gern mache: ganz runter auf Bahn-Höhe, Kamera fast auf den Boden — das ändert die Bildwirkung komplett, ohne dass du das Objektiv wechselst.

Welcher Spot passt zu welchem Shooting?

Wenn ich es auf eine einfache Formel bringen müsste:

Stille, weiche SymmetrieSpiegelwand. Wenn du Portraits mit Tiefe und einem klaren Mittelpunkt willst, der durch sich selbst funktioniert.

Grafische Fläche, urbaner LookKaputte Plakatwand. Für Street-Portraits, Fashion, alles wo du eine ruhige aber texturierte Wand brauchst.

Farbe als HauptmotivRote Laufbahn. Wenn du ein Bild willst, das schon mit Farbe und Linie alleine erzählt — bevor das Model überhaupt eine Pose macht.

Drei sehr unterschiedliche Stimmungen, drei sehr unterschiedliche Bildsprachen. Was bei dir bleibt, hängt am Ende daran, welche Geschichte du erzählen willst.

Häufige Fragen zu Fotospots in Leipzig

Sind die Spots frei zugänglich oder brauche ich eine Genehmigung?

Alle drei Spots liegen im öffentlichen Raum. Für persönliche Shootings und Portfolio-Arbeiten brauchst du nichts. Bei kommerziellen Produktionen mit Crew und Equipment lohnt es sich, vorher die Stadt zu fragen — vor allem an der Plakatwand wegen der Straßennähe.

Welcher Spot eignet sich am besten für Anfänger?

Die Spiegelwand. Weil du dort wenig falsch machen kannst — das Licht ist meistens kontrolliert, der Verkehr ist überschaubar, und die Symmetrie hilft dir bei der Komposition.

Welche Tageszeit funktioniert für alle drei Spots?

Spätnachmittag bis Golden Hour. Du kriegst dann an allen drei Spots ein weiches Licht, ohne harte Mittagssonne, und an der Plakatwand das schräge Streiflicht, das die Textur überhaupt erst sichtbar macht.

Welche Brennweite eignet sich für die Spots am besten?

Für alle drei reicht das Standard-Setup eines Portrait-Fotografen: 35 mm und 85 mm. Mit dem 35er bekommst du den Spot als Umgebung ins Bild, mit dem 85er trennst du das Model davon und ziehst die Tiefe enger. An der Laufbahn lohnt zusätzlich ein 100er oder länger, wenn du die Linien optisch zusammenrücken willst.

Wie finde ich selbst neue Foto-Locations in Leipzig?

Mit dem Auto rumfahren, ohne konkretes Ziel, und einen Standort-Marker setzen sobald dir etwas auffällt — eine Wand, eine Brücke, ein Gerüst, ein Lichtspiel. Drei Viertel meiner Spots sind so entstanden. Der Rest aus „bin gerade in der Gegend, schau mal“.

Wenn ihr selbst an einem dieser Spots arbeitet, freue ich mich über eine Nachricht mit dem Ergebnis. Und falls die Kommentare wieder reinkommen wie bei Part I — Part III läuft schon im Hinterkopf mit.

Falls du in Leipzig shooten willst und lieber drinnen arbeitest, hier sind drei Mietstudios, die ich selbst nutze. Und wenn du selbst vor der Kamera stehen willst — schreib mir gerne eine Anfrage.

Anfrage.

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