Reisen bedeutet Freiheit.

Fragt man Martin Neuhof, was ihm wichtig ist, überlegt er nicht lange. Die Menschen sind es. Und Reisen. Der Fotograf ist viel unterwegs; er entdeckt gern neue Orte. Sei es in seiner Heimatstadt Leipzig, auf Touren durch Deutschland, auf Reisen durch die Welt. 2013 waren es Indonesien und die USA, 2012 reiste er nach Uganda, 2009 Kuba und 2008 Australien.

Freiheit. Das ist ein Begriff, der all sein Handeln und seine Arbeiten prägt. Martin Neuhof ist es wichtig, Grenzen und Sichtweisen aufzubrechen.

Fotografie ist Freiheit.

1984 in Leipzig geboren, kennt der Fotograf und gelernte Mediengestalter den Wert von Freiheit und die Bedeutung von Grenzen. Vielleicht sind es die Geschichten seines Großvaters Friedrich Gahlbeck, des jüngsten Meister-Fotografen der damaligen DDR, die ihn ihn besonderen Maße prägen und dafür sorgen, dass Martin Neuhof immer wieder neue Wege sucht, Möglichkeiten nutzt. „Die Freiheit nimmt man sich selbst, sie wird einem nie geschenkt.“ Seit 2009 ist der Fotograf nebenberuflich und seit 2012 ganz selbstständig und genießt diese Freiheit jeden Tag aufs Neue.

Auch anderen Menschen die eigenen Möglichkeiten zu zeigen, gemeinsam Grenzen niederzureißen, das ist ein weiteres Anliegen des Kreativen. Aufnahmen mit ihm leben davon, dass Kunden und Models sich selber in einem anderen Licht sehen, neue Seiten an sich entdecken. Martin Neuhof versteht es, die Scheu vor der Kamera zu nehmen und eine Atmosphäre zu schaffen, in der Menschen sich wohlfühlen. Sein umfangreiches Portfolio zeugt davon.

Besonders die Natürlichkeit der Bilder besticht. Es geht dem Leipziger darum, die Menschen so zu zeigen, wie sie sind. Verletzlich und stark. Glücklich. Traurig. Nachdenklich. Unbeschwert. Für die Aufnahmen nimmt er sich Zeit, vermittelt den vor der Kamera stehenden so die Ruhe, die sie benötigen. Dies sieht man auch den Fotografien an: Sie strahlen eine Entspanntheit aus, die in unserer hastigen Welt selten geworden ist.

Neue Sichtweisen zeigen sich auch in seinen Projekten: Während der viel beachteten 101Helden fotografierte er Leipziger in der Stadt, mit den auch überregional bekannt gewordenen Leipziger Bettgeschichten, die er gemeinsam mit Eric Kemnitz realisiert, geht er noch näher an die Menschen in der Stadt heran und zeigt sie in ihren Betten, dem Ort größter Intimität.

Auch mit anderen Fotografen arbeitet er zusammen, tauscht sich aus. Martin Neuhof gehört zum Leipziger Fotografenkollektiv JAE, einer Vereinigung von sieben Fotografen, die gemeinsame Fototouren organisieren, sich gegenseitig unterstützten und in einem Studio arbeiten. Freundschaft ist Martin Neuhof wichtig und so ist es nicht verwunderlich, dass auch die Verbindung weit über das berufliche Maß hinausgeht; JAE ist Fotografie und Freundschaft in Verbindung.

Der Fokus auf Menschen und das Reisen spiegelt sich auch in seinem ehrenamtlichen Engagement für das Malayaka-Haus in Uganda wider. 2012 und 2014 reiste Martin Neuhof in das afrikanische Land, begleitete das Leben der Waisenkinder dort. Ein Kalender, eine berührende Fotoreportage und eine Ausstellung auf der Leipziger Buchmesse 2013 entstanden, die einen Eindruck von einer Welt geben, die den meisten Menschen gewöhnlich verschlossen geblieben wäre. Der Leipziger gibt die Chance, den eigenen Horizont zu erweitern.

Auch die Ausstellung „Gemeinsam allein“ begeisterte die Besucher und beleuchte ein Thema, dem sich viele nur ungern stellen: das Alter. Im Maternus-Altenheim begleitete er die Bewohner durch den Tag. Die ganz eigene Schönheit des Alterns, die widersprüchlichen Gefühle, das Wissen um Abschied und tiefe Liebe und Freundschaften hielt er in seinen Bildern fest.

Auch für die kommenden Jahre hat der Fotograf viel vor. Weitere Reisen sind geplant und die Ziele sind klar. Menschen treffen, das Leben festhalten, Grenzen aufbrechen.

Die Mauer wird immer erst dann eingerissen, wenn wir sie selber umstürzen.